Faszinierende Orgelmusik und ein harmonisches Teaming mit dem Flügel

Mit schwungvollen, poppigen Klängen des „The Beginning“ von Michael Schütz (*1963) entführte Timon Häslich in gewohnt gekonnter Weise eine große Anzahl an Freundinnen und Freunden der Orgelmusik in das Reich der Töne und Klänge. Dieser Start deutete bereits die Klangfülle der hybriden Orgel der Neuapostolischen Kirche in Chemnitz an, die seit ihrer Modernisierung im Jahr 2019 wesentlich zum musikalischen Gemeindeleben beiträgt.

Auf die vorgesehenen perkussiven Elemente durch Schlagzeug und Pauke musste die Zuhörerschaft aufgrund der Erkrankung der beiden Musiker leider verzichten.

Seit Weihnachten des letzten Jahres steht in dieser Kirche ein wunderbarer Yamaha Flügel zur Verfügung. Er wurde von der Gebietskirche und zu großen Teilen durch Spenden finanziert. Seither ist er fester Bestandteil des Musizierens und kommt vielfältig, solistisch und zur Begleitung, zum Einsatz. So auch in diesem Konzert. Katharina Stettinius überzeugte als versierte und inspirierend musizierende Pianistin sowohl solistisch, als auch im Duett mit der Orgel.

Im ersten Vortragsblock trugen beide Interpreten vier Werke mit großer stilistischer Bandbreite vor:

  • Air; Johann Sebastian Bach, Transkription für Orgel
  • Faschingsschwank aus Wien; Robert Schumann, Sätze 2 bis 4; Flügel
  • Introduktion und Passacaglia d-Moll; Max Reger; Orgel
  • Impressions; Michael Schütz; Orgel

Ein kurzes Durchatmen für die Musizierenden verschaffte das Einspielen exemplarischer Szenen aus der Orgelkonzertreihe. In einer 7-minütigen Zeitreise wurden die neun vorgestellten Orgeln, Interpreten und Kirchen nochmals präsent. Ein offenkundiger musikalischer Schatz, der sich in der verdichteten Darstellung einprägsam erweist.

Der zweite Vortragsblock brachte bekannte, umfangreichere Werke zum Anhören. Besonders bekannt und beliebt ist das Adagio für Streicher von Samuel Barber, transkribiert und in diesem Konzert vorgetragen auf der romantischen Stahlhuth-Jann-Orgel, so dass der Klang eines großen Streicherensembles vom ergreifenden pianissimo bis zum erschütternden fortissimo spürbar wurde. Von großer Übereinstimmung hinsichtlich Agogik und Werkverständnis zeugte der gemeinsame Vortrag von Orgel und Flügel, so dass ein überzeugend harmonisches Teaming entstand.

  • Preludio; Alexandre Guilmant; Orgel
  • Adagio für Streicher; Samuel Barber; Orgel
  • Prelude Op. 11 Nr. 10; Alexander Nikolajewitsch Skrjabin; Flügel
  • Duet Suite; Denise Bedard; Orgel und Flügel

Nach Dankesworten an Katharina Stettinius und Timon Häslich für das schöne, abwechslungsreiche und farbenfrohe Programm, endete das Konzert mit dem berühmtesten Werk des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Seine Finlandia, vorgetragen in einer Fassung für Orgel, ist effektvoll und dynamisch darstellbar und setzte dem Dargebotenen eine glänzende Klangkrone auf.

 

Die Chemnitzer Orgel

Die hybride Chemnitzer Sauer-/Hauptwerkorgel wurde im Mai 2019 nach umfangreicher technischer und klanglicher Umgestaltung in einem Orgelkonzert erneut in den Dienst gestellt. Durch die moderne Hauptwerktechnik wird das echte Pfeifeninstrument um ein Vielfaches ergänzt und vergrößert. In Summe weist das Chemnitzer Instrument 217 Register, verteilt über drei Werke und Pedal, auf. Verschiedene Samplesets gestatten es, die echten Klänge großer symphonischer Orgeln, wie beispielsweise die der Essener Kuhn-Orgel oder die der romantischen Stahlhuth-Jann-Orgel in der Kathedrale in Düdelingen, nahezu authentisch wiederzugeben. Die Orgel ist wunderbar in den Kirchenraum intoniert und entfaltet eine Strahlkraft, die immer wieder begeistert und die Interpretation vielfältiger Musikstile ermöglicht.

 

Die Konzertreihe

Das Konzert markierte den Abschluss einer erstmaligen Veranstaltungsreihe, in der besonders klangschöne Instrumente der Gebietskirche Nord- und Osterdeutschland zum Anhören gebracht wurden. Anlass für diesen Zyklus war die Wahl der Orgel zum »Instrument des Jahres 2021« durch die Landesmusikräte Deutschlands. Kombiniert mit Hintergrundinformationen zu Musikern, Orgeln und assoziierten Themen traf diese Veranstaltungsreihe auf großes Interesse. Bis heute haben die Orgelkonzerte schon ca. 115.000 Zugriffe auf YouTube erfahren. Eine Reichweite, die nur durch das „live online“ Veranstaltungsformat und die weitere Verfügbarkeit über diesen Link zu realisieren ist.

Für Ihr Interesse und die Unterstützung sagt das gesamte Team herzlichen Dank!