„Reise in die Freiheit“ – Galakonzert der Brass Band Sachsen

Wer sich vielleicht im voraus Gedanken gemacht hatte, wie das Konzert einer Brass Band mit einem neuapostolischen Festtag zum Entschlafenen-Gedächtnis harmonieren kann, wurde positiv überrascht.

Bereits das Motto „Reise in die Freiheit“ des Konzertes am 4. März 2018 in Chemnitz passte inhaltlich zu diesem Gedenktag. Ebenso war der Dresscode der 32 Bandmitglieder und des Dirigenten in unerwartetem, traditionell neuapostolischen, festlichem „Schwarz-weiß“ bemerkenswert.

Die Brass Band Sachsen unter ihrem Dirigenten Prof. Bryan Allan aus Glasgow überzeugte mit einer Klangpallette aller Nuancen von ganz leise bis fulminant. Auf den Punkt genau kamen die Einsätze und Tutti, virtuos die schnellen Tonfolgen. Die mitunter tiefsten Klänge von 4 Tuben und die wuchtigen Schläge der 5 Pauken erzeugten Tonschwingungen, die teilweise im Fußboden und in den Bänken der Kirche für den Zuhörer fühlbar waren.

Durch eine hervorragende Moderation von Lisa Senftleben konnten die Zuhörer Hintergrundwissen zu den Vortragsstücken, ihren Komponisten und zu den Solisten erfahren.

Bereits im Eröffnungsstück zeigte das Ensemble seine überwältigende Klangkraft. Die vom Komponisten Richard Strauss in Form einer feierlichen Fanfare bearbeitete Kurzfassung seiner „Festmusik der Stadt Wien“ zog die Zuhörer in ihren Bann.

Dem kirchlichen Rahmen angemessen folgte die Bearbeitung eines stillen Gebetes „Don´t doubt him now“ (Zweifle nicht an ihm)  für Solo Cornet und Brass Band von Craig Woodland. Als erster Solist des Nachmittags brachte Konzertmeister Christian Sellien mit viel Herz und Gefühl die Melodie zu Gehör. Er ist Gründer und Organisator des in der Gemeinde durch seine Weihnachtskonzerte gut bekannten Sächsischen Blechbläser Consort.

Nicht alle weiteren Vorträge können genannt werden, deswegen hier eine Auswahl aus dem Konzert.

Mit seinem Werk „On Alderly Edge“ zeichnete der schottische Komponist Peter Graham ein Bild der rauhen Landschaft in der nordenglischen Grafschaft Cheshire. Daraus erklang „The Holy Well“. Die Solistin Dr. Deborah Newby (Baritone) brachte dieses Bild hervorragend zum Klingen.

Als Gastsolistin aus Schottland konnte die Solo-Hornistin der Fairey Band, Rachel Neil, begrüßt werden. Die schwungvoll vorgetragene Komposition „Capriccio Brillante“ von Hermann Bellstedt basiert auf der italienischen Melodie aus dem Karneval von Neapel.

Der Vortrag „Journey into Freedom“ von dem vielleicht bedeutendsten Brass Band Komponisten der letzten 100 Jahre, Eric Ball, hatte dem Konzert die Überschrift gegeben und wurde als Pflichtstück für die 7. Deutsche Brass Band Meisterschaft in Bad Kissingen ausgewählt. Die Brass Band Sachsen wird damit rund um den Himmelfahrtstag dieses Jahres in der höchsten Schwierigkeitsklasse am Wettbewerb teilnehmen. Dazu wünschen wir viel Erfolg.

Mit „Lil‘ Darlin“ von Neal Hefti wechselte die musikalische Stilrichtung in den Jazz. Die Zuhörer fühlten sich in die Zeit von Count Basie versetzt.

Als letzter Solist des Konzertes war der Flügelhornist Christoper Passet mit einem Soundtrack aus dem Film „The Children of Sanchez“ (Komponist: Chuck Mangione) in einem Arrangement des Norwegers Reid Gilje zu hören. Hier waren unter anderem auch die drei Schlagwerker gefordert. Sie hatten während des gesamten Konzertes oftmals einen sportlichen Sprint hingelegt, um taktgenau zwischen den verschiedenen Schlagwerkinstrumenten innerhalb eines Musikstückes zu wechseln. Das waren im wesentlichen Röhrenglocken, Xylofon, Glockenspiel, Vibrafon, große Konzerttrommel, à2-Konzertbecken, Schlagzeug, 5 Pauken, Tamtam, Bongos, Triangel, Maracas, Kuhglocke, Wind Chimes, Tamburin und Woodblock.

In der ersten Zugabe „Caravan“ von Duke Ellington in einem Arrangement von Bryan Allen kam noch einmal der volle Big Band Sound zu Gehör.

Nach den Dankesworten und einem Gebet des Gemeindevorstehers erklang als abschließende, zu Herzen gehende Zugabe der Choral „I will walk with God“ (Nicholas Brodszky, arr. Paul Webster). Nichts hätte wohl besser zum Ausklang dieses Festsonntages passen können.